eivor attheheartofaselkieEivør Pálsdóttir befindet sich derzeit in einer unglaublich kreativen Phase. Nicht nur, dass sie 2015 bereits zwei Alben veröffentlicht hat – fast wären es sogar drei geworden. Denn im Januar erschien „At The Heart Of A Selkie“ als erste Tutl-Veröffentlichung des Jahres. Bei der Scheibe handelt es sich jedoch nicht um ein reines EIVØR-Album, sondern es handelt sich um eine Zusammenarbeit mit Peter Jensen und der dänischen Radio Big Band sowie dem Danish National Vocal Ensemble und auch der Schriftstellerin Marjun Syderbø Kjælnes, die die meisten Texte beisteuerte. Daneben wurden auch Texte des dänischen (und auf den Färöern alles andere als unbekannten) Bischofs und Dichters Thomas Kingo (1634 – 1703) in zwei Stücken vertont.

„At The Heart Of A Selkie“ beschäftigt sich mit der Kópakona, der Seehundfrau. Dass das Album die Kópakona aber nicht im Namen trägt, sondern einen englischen hat, deutet schon darauf hin, dass diese Scheibe nicht (nur) für den färöischen Markt geschrieben wurde. Zwar sind die Texte alle auf Färöisch oder Dänisch, die Titel sind aber bereits auf der Rückseite der CD übersetzt und auch im Booklet finden sich dankenswerterweise Übersetzungen ins Englische für all diejenigen, die des färöischen nicht mächtig sind. Zusätzlich wird jedes Stück in ein oder zwei Sätzen erklärt.

Außerdem findet man im sehr schlicht gestalteten Booklet noch eine allgemeine Erklärung, was Selkies sind sowie eine Nacherzählung der färöischen Selkie-Geschichte, eben der Kópakona. Alles auf Englisch, eine Erklärung auf Färöisch ist nicht notwendig, es gibt wohl keinen Färinger, der diese Geschichte nicht kennt. Und was sind nun Selkies? Sie sind mythologische Wesen, von denen man sich vor allem auf den Orkneys, Shetlands, Schottland und Irland erzählt. Es sind Robben, die ihr Fell ablegen und dann die Gestalt von wunderschönen Frauen annehmen können und als solche die Männer betören. Viele dieser Geschichten enden tragisch, so auch die färöische Version. Wobei man diesen Ausgang hier auf dem Album weggelassen hat und die Geschichte einfach etwas früher enden lässt.

„At The Heart Of A Selkie“ ist keine Musik die man mal nebenbei hören kann. Hier überwiegen die leisen, teilweise sehr leisen Töne. Man sollte sich schon in einer ruhigen Umgebung befinden, um alles wirklich erfassen zu können. Peter Jensen, der für die Soundeffekte verantwortlich ist, hat wunderschöne Klanglandschaften erschaffen, von dem dumpfen Anschlagen der Wellen an Höhlenwände bis zum hellen Klang von Wassertropfen schöpft er die ganze Palette von Geräuschen ab, die Wasser erzeugen kann. Auch Orchester, Solosänger und Chöre werden sehr pointiert eingesetzt, so dass eine einmalige, wundersame, wahrhaft mythische Stimmung entsteht.

Die meisten Stücke wurden für dieses Album geschrieben, zwei („Uden Herren Opholder Vort Hus Og Gård“ und „Jeg Vil Mig Herren Love“) stammen von Thomas Kingo, „Verð Mín“, „Slør“ und „Salt“ kennt man bereits von EIVØRs letztem Album „Slør“. Für Fans, die kein Färöisch sprechen, bietet sich hier dann auch die Gelegenheit, Übersetzungen dieser 3 Stücke zu bekommen, denn auf ihrem letzten Album waren die Texte nur auf Färöisch enthalten. Aber diese drei Stücke wurden nun nicht einfach von „Slør“ übernommen, sondern ganz neu arrangiert und aufgenommen.

„Verð Mín“ ist hier sehr ruhig, von Streichern dominiert, eine Flöte setzt helle Akzente, greift die Melodie auf, in die EIVØR dann einsteigt. Das Stück ist deutlich sanfter als die Version auf „Slør“ und EIVØRs tolle Stimme steht noch mehr im Mittelpunkt. „Slør“ wird hier von Paukenschlägen eingeleitet, die eine düstere Stimmung erzeugen, über der EIVØRs klare, zarte Stimme liegt. Das Stück wird langsamer gespielt als auf dem gleichnamigen Album, wirkt dadurch aber auch intensiver. Immer wieder werden hier auch Soundsamples eingebaut, gegen Ende wird sie von Chor und Orchester unterstützt.

Auch „Salt“ klingt anders als auf „Slør“. Blechbläser und leicht schräge Songs leiten den Song ein. Instrumente stehen hier ansonsten jedoch eher im Hintergrund, ein Chor begleitet die Sängerin durch das Stück.

Insgesamt ist „At The Heart Of A Selkie“ ein wunderschönes Stück Musik geworden, das zum einen die Erzählung von der Seehundfrau näher bringt, und zum anderen wieder einmal beweist, welche tollen Produktionen von den Färöern kommen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die künstlerische Gestaltung der CD, für die Kristina Joensen verantwortlich ist. Ein wenig erinnert die Darstellung der Seehunde, Seehundfrauen (von denen eine eindeutig EIVØR darstellt) und –männer an die Visualisierung des Themas durch Edward Fuglø. Alles in allem ist dies ein Werk, das sich jeder Färöer-Fan bedenkenlos zulegen kann. (Anne)


Bewertung:

Anne8,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 56:48 min
Label: Tutl
Veröffentlichungstermin: 29.01.2016

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