rhapsody prometheusIst es wirklich schon drei Jahre her, seit das letzte Album von LUCA TURILLI’S RHAPSODY erschienen ist? Die Zeit rast irgendwie. Schon ist der Nachfolger da, der auf den sperrigen Namen „Prometheus – Symphonia Ignis Divinus“ hört. Das klingt nach Konzeptalbum, ist so jedoch nicht ganz richtig. Zwar gibt es eine Art roten Faden, der sich durch das ganze Album zieht, allerdings behandeln die einzelnen Songs doch sehr unterschiedliche Themen und klingen entsprechend auch ziemlich unterschiedlich.

Schon der Beginn der Scheibe macht klar, wohin die Reise geht. Luca Turillis Kompositionen werden immer komplexer, immer bombastischer, immer klassischer angehaucht – so daß man sich stellenweise schon fragen kann, ob das noch Metal ist. Zweifel werden jedoch schon beim zweiten Song „Il Cigno Nero“ ausgeräumt, bei dem sich vor allem Drums und Gitarren austoben dürfen. Insbesondere die Drums stehen hier doch sehr im Vordergrund, was jedoch zum Song paßt und überhaupt nicht stört.

Die erste Single „Rosenkreuz“ ist absolut unverkennbar RHAPSODY. Hier zeigt Sänger Alessandro Conti wieder so richtig, was er alles mit seiner Stimme anstellen kann. Ein großartiger, mystischer Song, der zu Recht als Single ausgewählt wurde. Ein Stück, das sowohl die klassischen RHAPSODY-Elemente enthält als auch ein modernes Klangbild hat.

Wie ich schon beim letzten Album angemerkt habe, so klingt auch dieses Album befreit und ungezwungen, als sei man froh, endlich die monströse Fantasysaga abgeschüttelt zu haben. Es ist wohl auch mal angenehm, Geschichten in nur einem Song zu erzählen. Was aber auch auf dem letzten Album aufgefallen ist und zwar eher negativ: Die Elektrodiscobeats, an denen Luca Turilli irgendwie einen Narren gefressen zu haben scheint. Nichts gegen Elektrosounds – wer mich kennt, weiß, daß ich z.B. DEPECHE MODE sehr mag – aber hier paßt es einfach nicht. Egal, ob das die treibenden Beats in „Il Tempo Degli Dei“ sind oder die etwas seltsam anmutenden Klänge im abschließenden „Of Michael The Archangel And Lucifers Fall Part II Codey Nemesis“ (Hölle, was ein Songtitel). Diese Sounds wirken bei RHAPSODY einfach deplaziert und tun in den Ohren weh.

Einer meiner Favoriten auf dem Album ist „One Ring To Rule Them All“. Bei dem Titel sollte ja auch dem letzten klar sein, um was es in dem Song geht. Aber dieses schon sehr häufig und seit Jahren besungene Thema wurde von der Band wirklich schön und außergewöhnlich umgesetzt – obwohl man auch gerne das Thema aus dem Filmsoundtrack aufgreift. Aber betrachten wir es als Hommage, denn plumpes Kopieren ist nun wirklich nicht Luca Turillis Ding. Und selbst Gollum kommt hier ab und zu zu Wort. Auch das paßt wunderbar in den Song. Warum also ein Luca Turilli, der es schafft, einen nach einem Ring lechzenden Gollum mühelos in einen wunderschönen Song einzufügen in andere Songs unbedingt schräge Elektrosounds reinpressen muß, das will mir nicht in den Kopf.

Der Titelsong „Prometheus“ ist ebenfalls ein Song ohne Fehler. Episch und bombastisch erinnert er mehr an Filmmusik denn an Metal, entwickelt sich aber durchaus noch in eine heftigere Richtung und baut herrlich Spannung auf, bevor sich die Gitarren ganz leger ausbreiten können. Anschließend wandert man fröhlich durch die eurasische Mythologie, sei es mit „King Solomon And The 72 Names Of God“, „Yggdrasil“ oder eben „Of Michael The Archangel And Lucifers Fall Part II Codey Nemesis“. Letzter ist das Gegenstück zu „Of Michael The Archangel And Lucifers Fall“ vom letzten Album und mit über 18 Minuten Spielzeit sogar noch 3 Minuten länger als sein Vorgänger.

Ein wahres Opus Magnum. Aber ein Luca Turilli wäre kein Luca Turilli, wenn er nicht auch solche Wahnsinnskompositionen so hinbiegt, daß zu keinem Moment Langeweile aufkommt. Der Song ist ein episches Werk, das zu jedem (ok, fast jedem – die deplatzierten Elektrosounds hätte man sich wirklich sparen können) Moment gefällt. Durch immer neue Elemente, wie Spoken Words-Parts, Chöre oder majestätische, ruhige Parts kann man die Aufmerksamkeit des Hörers stets behalten. Aber auch Alessandro Conti sticht wieder hervor. Was ein toller Sänger!

Damit ist auch „Prometheus – Symphonia Ignis Divinus“ wieder ein RHAPSODY-Album geworden, von dem kein Fan enttäuscht sein dürfte. Nachdem mir die Alben noch vor einigen Jahren nicht mehr so gefielen und einfach zu gezwungen klangen, gefallen mir die beiden neuen Alben wieder richtig gut. Wer wie ich RHAPSODY irgendwann aus den Augen verloren hat, der sollte z.B. dieses Album durchaus mal anchecken. Es lohnt sich. (Anne)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 69:37 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 19.06.2015

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