motorpsycho the towerSeit erst wenigen Jahren bin ich auf den Geschmack von MOTORPSYCHO gekommen. Entgegen der Empfehlungen meines Umfelds hatte ich nie die Muße, mich deren Musik zu öffnen, und erst mit dem sehr umfangreichen Best Of - Album habe ich Blut geleckt. Wenngleich auch das anfängliche Seitenprojekt SPIDERGAWD mehr meinem primären Geschmack entspricht, so kann bei aller Genialität keines ihrer Alben die Meisterleistungen von MOTORPSYCHO toppen. So auch wieder das nun veröffentlichte Werk "The Tower", das wieder vor Musikalität nur so strotzt.

Eine unentwegt sprudelnde Quelle musikalischer Leistung, nur so kann man das Schaffen des Trios authentisch benennen. In der Hauptrolle Hans Magnus Ryan und Bent Sæther als Gründungsmitglieder muss man nun den Weggang von Drummer Kenneth Kapstad verkraften, aber durch den Ersatz von Tomas Järmyr an den Kesseln kann man das musikalisch locker wegstecken und haut dann mal eben so ein neues Doppelalbum raus. Mit dem Triumvirat an Bass, Gitarre und Schlagzeug ist manch einer vielleicht etwas eingeschränkt, nicht aber MOTORPSYCHO, die ihre Aufnahmen mit Gastbeiträgen an Flöte, Keyboards und anderen extravaganten Instrumenten bereichern.

Dieses Mal hört man allerdings ein dermaßen kraftstrotzendes Werk, dass man schon fast von einer neuen Ära reden könnte. Der psychedelische introvertierte Charakter ist kaum noch wahrnehmbar, die Songs explodieren quasi vor Spielfreude und Ideenreichtum und klingen dabei direkter, rauer und auch eine Ecke persönlicher. Das ändert sich zwar bei der zweiten Scheibe wieder etwas, aber dennoch haben die Skandinavier hier ein für ihre Verhältnisse sehr impulsives und stark rockiges Album zur Welt gebracht.

Es wird gejammt und experimentiert, hier und da schmeckt man das gerauchte Kraut raus, aber trotz allem klingt der Sessioncharakter der Songs nie ausufernd oder orientierungslos. Man erinnert sich an die besten Zeiten der Rockmusik, ruft sich THE BEATLES oder auch mal LED ZEPPELIN ins Gedächtnis zurück und stellt fest, dass MOTORPSYCHO im Grunde die Band der Neuzeit ist, die alles, was die ursprüngliche Rockmusik über die Jahre verloren hat, in sich vereint. Wäre diese Musik aus den Siebzigern auf ihre Essenz heruntergekocht und konserviert worden, würde sie sich jetzt, etwa ein halbes Jahrhundert später, genau so anhören. Die Artenvielfalt auf "The Tower" wirkt wie MASTODON auf Hippie-Style, und auch wenn ich mir derartige Musik nur in bestimmten Situationen und emotionalen Zuständen anhören kann, so ist ihre Superlative nicht zu überhören. MOTORPSYCHO können auch noch auf dieser neuen Etappe und mit dem mittlerweile 31. (!!!) Studioalbum aus dem Vollen schöpfen und auch ebenso voll absahnen. Hail to the masters! (Jochen)


Bewertung:

Jochen9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 6 (CD 1) + 4 (CD 2)
Spielzeit: 43:25 min (CD 1) + 41:19 min (CD 2)
Label: Stickman Records
Veröffentlichungstermin: 08.09.2017

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